Snoezelen wird Forschungsthema an der KSFH

"Mit Snoezelen die Lebensqualität von Patienten verbessern"

 
München, 23. Juni 2010. „Snoezelen“ stand im Fokus eines Workshops an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München (KSFH). Die Methode, die zur sensorischen Stimulierung von Patienten mit Demenz oder geistiger Behinderung eingesetzt wird, soll demnächst ein Forschungsthema an der KSFH werden.
 
Jochen Nicolai von der Firma Sport Thieme hat den Hörsaal in eine Entspannungsoase verwandelt. Ein an die Wand projizierter Wolkenhimmel taucht den kleinen Raum in angenehmes Licht. Eine Spiegelkugel mit Lichtspot und Farbrad – ähnlich einer Diskokugel – sowie eine beleuchtete Blasensäule sorgen für weitere Lichteffekte. Besondere Anziehungskraft üben die stetig ihre Farbe wechselnden Faseroptik-Schnüre auf die Studierenden aus: Man kann sie anfassen, knicken, sortieren oder einfach nur beobachten. Ein Sitzsack lädt zum Relaxen ein und bietet noch eine weitere Überraschung: Er ist mit einer Musikanlage verbunden und setzt die Bässe in fühlbare Schwingungen um.

Was wie eine angenehme Abwechslung zum Studienalltag aussieht, ist Inhalt eines Workshops zum Thema „Snoezelen“ an der KSFH. Die sensorischen Stimulationsmaterialien sollen den Studierenden Snoezelen als pflegerische Interventionsmethode nahe bringen.
 
In der Fachwelt hat sich der Begriff „Snoezelen“ bereits etabliert. Doch was steckt hinter der Wortneuschöpfung, die sich aus den niederländischen Begriffen „snuffelen“ (schnüffeln) und „doezelen“ (dösen) zusammensetzt? „Snoezelen ist eine ausgewogen gestaltete Räumlichkeit, in der durch harmonisch aufeinander abgestimmte multisensorische Reize, Wohlbefinden und Selbstregulationsprozesse bei den Anwendern ausgelöst werden“, lautet die Arbeitsdefinition der Deutschen Snoezelen-Stiftung. Durch speziell auf den Nutzer hin orientierte Raumgestaltung werden sowohl therapeutische und pädagogische Interventionen als auch die Beziehung zwischen Anleiter und Nutzer gefördert.
„Die Glasfaser-Stränge beispielweise können durch ihren starken Lichteffekt stark sehbehinderte Menschen ansprechen und diese zum Abbau ihrer inneren Hemmungen und Barrieren bewegen“, erklärt Nicolai. „Das Ziel von Snoezelen ist, die Lebensqualität der Nutzer und Patienten zu verbessern.“
 
Auch Prof. Dr. Bernd Reuschenbach, der seit Oktober 2009 die Stiftungsprofessur „Gerontologische Pflege“ an der KSFH inne hat, ist sich der positiven Effekte von Snoezelen sicher: „Die Methode wird vor allem zur sensorischen Stimulierung von Demenzkranken oder Personen mit geistiger Behinderung eingesetzt. Sie kann je nach Anwendung entspannend oder aktivierend wirken.“
 
Doch nicht jeder ist in der Lage, in einem Snoezelen-Raum mit Patienten zu arbeiten. „Es ist sehr wichtig, dass das Personal entsprechend ausgebildet ist, da manche Reaktionen auf Snoezelen nicht vorhersehbar sind“, sagt Nicolai. „Die Risiken und Nebenwirkungen beim Snoezelen – wie zum Beispiel Reizüberflutungen oder Allergien durch Aroma-Therapien – sind sehr ernst zu nehmen.“ Gerade bei älteren Menschen müsse man zudem die Akzeptanz prüfen und sie langsam an die Methode heranführen.
 
Obwohl sich die Fachwelt über die positiven Effekte ziemlich einig ist, weisen laut Prof. Reuschenbach nur wenige Studien die Wirksamkeit der Methode nach. „Daher ist, es, unser Ziel, diese Interventionsform zukünftig verstärkt zu beforschen – als Schwerpunkt des Lehrstuhls gerontologische Pflege.“ In dieses Forschungsvorhaben sollen vor allem die Studierenden der Fachrichtung Pflege mit Praxisprojekten beteiligt werden. „Zusammen wollen wir herausfinden, welche Wirkungen Snoezelen wirklich auf die Lebensqualität hat und was daraus für die Praxis resultiert“, sagt Reuschenbach.

Bilder zum Download:

Bild 1: Besondere Anziehungskraft üben die stetig ihre Farbe wechselnden Faseroptik-Schnüre auf die Studierenden aus.

Bild 2: Ein an die Wand projizierter Wolkenhimmel taucht den kleinen Raum in angenehmes Licht.