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37. Benediktbeurer Management-Gespräche: „Nachhaltigkeit – ein Lippenbekenntnis des Managements?"

10.04.2017 - 11:59

37. Benediktbeurer Management-Gespräche
„Nachhaltigkeit – ein Lippenbekenntnis des Managements?"

Am 07. April fanden am Nachmittag die 37. Benediktbeurer Management-Gespräche im Barocksaal des Klosters Benediktbeuern statt. „Nachhaltigkeit – ein Lippenbekenntnis des Managements“, so lautete das Thema der Dialogveranstaltung. Woran, so die Fragestellung, zeigt sich nachhaltiges Unternehmertum? Und wird Nachhaltigkeit als komplementäre Aufgabe (miss-)verstanden oder wird sie bereits umfassend in die Strategie- und Innovationsprozesse von Unternehmen/Institutionen einbezogen? Rund 100 Vertreter aus Wirtschaft und Wohlfahrt saßen an dem Freitag in Tischgruppen und inspiriert durch Impulsvorträge zusammen, um darüber zu diskutieren, inwiefern „Nachhaltigkeit“ bereits als integraler Bestandteil der Unternehmensführung verstanden wird.

Benediktbeuern, 10. April 2017 – Zum politischen Begriff wurde Nachhaltigkeit spätestens im Zusammenhang mit der Agenda 21 im Jahr 1992 auf der „Konferenz für Umwelt und Entwicklung“ in Rio de Janeiro. Seither ist der Begriff in aller Munde, doch was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich? Und inwiefern haben Unternehmen das Prinzip Nachhaltigkeit bereits in ihr Kerngeschäft integriert? Dabei beschränkt sich der Begriff nicht auf ökologische, sondern bezieht sich genauso auf ökonomische, soziale und kulturelle Dimensionen. „Nachhaltiges Unternehmertum“, so erklärt Impulsgeber Dr. Heinrich Bottermann, Generalsekretär der Deutschen Bundesstiftung Umwelt in Osnabrück, in seiner Rede, „bedeutet verantwortungsvolles und werteorientiertes Unternehmertum, bei dem es nicht ausschließlich um Profit und ökomischen Nutzen geht, sondern auch ganz explizit darum, einen ökologischen und sozialen Mehrwert zu generieren – sozusagen einen ‚shared value‘ anstelle eines ‚shareholder value‘.“ Margret Suckale, Mitglied des Vorstands der BASF SE in Ludwigshafen, erläutert die Strategie ihres Unternehmens wie folgt: „Nachhaltigkeit ist ein integraler Bestandteil unseres Kerngeschäfts, da wir überzeugt sind, dass ein Unternehmen nur erfolgreich sein kann, wenn zusätzlich zu wirtschaftlichen Belangen, soziale und ökologische Aspekte berücksichtigt werden.“ Um Nachhaltigkeitskriterien in Entscheidungsprozessen zu verankern, brauche es aber, darin sind sich die beiden Impulsgeber der 37. Benediktbeurer Management-Gespräche einig, Weitblick, Aufgeschlossenheit für Neues und auch Mut, denn „die Konsequenzen für den langfristigen, wirtschaftlichen Erfolg abzuschätzen“, so Margret Suckale, „ist keine reine naturwissenschaftliche Übung. Vielmehr müssen Zielkonflikte adressiert und aufgelöst werden, um so die beste Lösung für das Unternehmen, die Mitarbeiter und die Gesellschaft zu finden.“


Bildquelle: Moritz Ewert

In diesem Zusammenhang fällt dann auch der Begriff der Glaubwürdigkeit, die – gerade auf Managementebene – eine zentrale Rolle im Umgang mit den eigenen Mitarbeitern, gegenüber Kunden oder anderen Stakeholdern wie Lieferanten oder Banken spielt. Für die beiden Initiatoren der Benediktbeurer Management-Gespräche, Prof. Dr. Egon Endres (Katholische Stiftungsfachhochschule München) und Michael Thiess (Inhaber von MICHAEL THIESS Management Consultants in München) einer der Leitbegriffe dieser Dialogveranstaltung: „Der Diesel-Skandal bei Volkswagen hat offenkundig gemacht, dass die Verletzung von ökologischen Standards die Glaubwürdigkeit ganzer Unternehmen gefährden kann. Wie sehr die Entscheidungen von Führungskräften nachhaltig sind, stellt sich mitunter erst nach Jahren heraus“, sagt Prof. Dr. Egon Endres, während Mitinitiator Michael Thiess an der Stelle auf die „ganzheitliche Führungsverantwortung“ hinweist: „Nachhaltiges Handeln zum langfristigen Wohle eines Unternehmens bzw. einer Organisation fordert von Managern heute ganzheitliche Führungsverantwortung in vielen Bereichen, die weit über die rein ökologische Dimension hinaus ragen“, betont er.

Doch, auf welche Weise werden Führungskräfte überhaupt befähigt, nachhaltige Entscheidungen zu treffen? Bei der BASF, z. B., wurde vor rund zehn Jahren das „Corporate Sustainability Board“ verankert. Hier tauschen sich Bereichsleiter – unter der Leitung des für Nachhaltigkeit zuständigen Vorstands – regelmäßig über Nachhaltigkeitsthemen und strategische Fortschritte aus. „So entwickeln wir ein besseres Verständnis für mögliche Risiken in der Wertschöpfungskette und können unsere weltweit gesammelten Erfahrungen im direkten Gespräch miteinander teilen“, sagt Margret Suckale. Die Entscheidung für oder gegen eine nachhaltige Lösung ist also nicht als Top-Down-Prinzip, sondern als ein Entscheidungsprozess zu verstehen, der komplex ist und viele Perspektiven einbezieht: „Auch wir verfolgen hier eine interdisziplinäre Arbeitsweise und somit die Zusammenarbeit von verschiedenen Fachrichtungen aus Wissenschaft und Praxis, um Entscheidungsprozesse durch Wissen zu untermauern. Das erfordert viel Raum und Zeit für den Austausch und die Diskussion unter den Mitarbeitern“, sagt Dr. Heinrich Bottermann.

Sicherheit, Gesundheitsschutz, global einheitliche Standards zu Umwelt, Produktverantwortung, Compliance sowie Arbeits- und Sozialstandards: die Mehrdimensionalität von Nachhaltigkeit umfasst verschiedenste Bereiche. Nachhaltigkeit ist ein stetiger Lernprozess, der etablierte Geschäftsprozesse hinterfragt und dabei als „unternehmerische Chance für zukunftsfähige Geschäftsmodelle und für technische wie soziale Innovationen“ zu verstehen ist, wie es Dr. Heinrich Bottermann zusammenfasst. Auf die Frage, wie es dem weltweit größten Chemiekonzerne gelingt, sich nachhaltig zu positionieren, nennt Margret Suckale ein praktisches Beispiel: „Viele unserer Kunden wollen den Anteil an nachwachsenden Rohstoffen in ihren Endprodukten erhöhen. Deshalb haben wir einen Biomassenbilanz-Ansatz entwickelt, der für viele unserer Produkte zur Verfügung steht und flexibel auf Kundenwünsche angepasst werden kann. Bereits bei der Herstellung von Grundprodukten werden bestimmte Mengen fossiler Rohstoffe durch nachwachsende Ressourcen wie zum Beispiel Biomasse ersetzt. Dieser biosbasierte Anteil wird mit Hilfe eines unabhängig zertifizierten Verfahrens den Verkaufsprodukten zugeordnet. Die Qualität der Produkte bleibt unberührt.“

Nachhaltigkeit, so der Konsens des Abends, ist ein kontinuierlicher Lern- und Suchprozess, an dem Entscheidungsträger und Mitarbeiter gleichermaßen beteiligt sind. Und laut der beiden Impulsgeber handelt es sich hierbei auch längst nicht mehr um ein Lippenbekenntnis, sondern um einen integralen Bestandteil in der Unternehmensphilosophie vieler Unternehmen: „Die Praxis zeigt: Es gibt eine Reihe von Unternehmen, die in ihrer gesamten Lieferkette glaubwürdig Verantwortung für Mensch und Natur übernehmen – und damit auch wirtschaftlich sehr erfolgreich sind“, sagt Dr. Heinrich Bottermann.

Die Benediktbeurer Management-Gespräche finden traditionell ohne Pressevertreter statt. Es besteht aber die Möglichkeit, ein Interview mit den Veranstaltern zu führen bzw. ein Statement einzuholen. Die nächsten Gespräche finden am 13. Oktober 2017 statt.

Pressekontakt:
Katholische Stiftungsfachhochschule München, Sibylle Thiede,
sibylle.thiede@ksfh.de, 089/48092-1466

Bildmaterial:
https://www.dropbox.com/sh/ehq7pzaf1jaos7m/AADXjCuKAfSu6rt5cwNWH2W4a?dl=0
Bildquelle: Moritz Ewert

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Über die Benediktbeurer Management-Gespräche
Die Benediktbeurer Management-Gespräche (BMG) werden seit 2000 gemeinsam von Prof. Dr. Egon Endres, Professor für Sozialwissenschaften an der Katholischen Stiftungsfachhochschule München, und Michael Thiess, MICHAELTHIESS Management Consultants, München, veranstaltet. Sie zielen auf den gedanklichen Austausch und das „Networking“ von Entscheidungsträgern aus Wirtschaftsunternehmen und sozialen Organisationen. Existieren traditionell kaum Berührungspunkte zwischen beiden Welten, so haben sich die Handlungsanforderungen von sozialen Organisationen und Wirtschaftsunternehmen in den vergangenen Jahren angeglichen. Dabei haben beide Seiten im Umgang mit ihrer jeweiligen Umwelt unter-schiedliche Kompetenzen entwickelt, was einen Blick über den Tellerrand lohnenswert erscheinen lässt. In diesem Sinne verstehen sich die Benediktbeurer Management-Gespräche als Forum, durch das neue Impulse für „lernende“ Organisationen und ihre Manager gewonnen werden. Die handverlesene Auswahl der Gäste gewährleistet einen anregenden und intensiven Gedanken- und Erfahrungsaustausch.

Katholische Stiftungsfachhochschule München

Die Katholische Stiftungsfachhochschule München ist eine national und international hoch angesehene Hochschule für Sozial-, Pflege- und pädagogische Berufe in kirchlicher Trägerschaft. Sie bietet ihren etwa 2400 Studentinnen und Studenten an den beiden Standorten Benediktbeuern und München eine intensive und professionelle Betreuung. Neben den Bachelorstudiengängen Soziale Arbeit, Pflegemanagement, Pflegepädagogik, Pflege dual, Bildung & Erziehung im Kindesalter und Religionspädagogik und kirchliche Bildungsarbeit (auch im Doppelstudium mit der Sozialen Arbeit) bietet die Katholische Stiftungsfachhochschule München auch Masterstudiengänge und vielfältige Fortbildungsveranstaltungen an. Ein wissenschaftliches und zugleich praxisorientiertes Studium sowie das christliche Menschenbild begründen den besonderen Auftrag der Hochschule.

MICHAEL THIESS Management Consultants
MICHAEL THIESS Management Consultants ist eine leistungsfähige Strategieberatung und unterstützt international bedeutende Industrie- und Dienstleistungsunternehmen sowie öffentliche Institutionen und Non-Profit Organisationen in allen Fragen der Unternehmensführung. Neben der Strategie-, Prozess- sowie Organisationsberatung weisen MICHAEL THIESS Management Consultants ebenfalls in den Bereichen Post Merger Integration, Effizienzsteigerung in Marketing & Vertrieb sowie Innovationsstrategien besondere Leistungen vor. Der Schwerpunkt der Beratungstätigkeit liegt auf den Branchen und Geschäftsfeldern Healthcare, Pharmaindustrie, Medizintechnik-Unternehmen, Non-Profit-Organisationen, High Tech-Branche und Wirtschaftsförderung.